50 Jahre Otto Brenner Stiftung

Herzlich willkommen auf der Seite unseres 50-jährigen Stiftungsjubiläums!

Hier beleuchten wir die Entstehungsgeschichte der Wissenschaftsstiftung der IG Metall. Mit einer Chronik, die wir über das Jubiläumsjahr hinweg kontinuierlich erweitert haben, erinnern wir an markante Meilensteine unserer Stiftungsgeschichte. Es lohnt sich also, einen Blick darauf zu werfen.

Wir nehmen das Stiftungsjubiläum auch zum Anlass, mit verschiedenen Veranstaltungsangeboten an unseren Namensgeber zu erinnern und die Themenschwerpunkte der Stiftungsarbeit der letzten 50 Jahre aufzugreifen. Der Höhepunkt im Jubiläumsjahr war unsere Festveranstaltung am 26. November in Frankfurt am Main.

1972 – 2022: 50 Jahre Otto Brenner Stiftung

Chronik, Etappen und Ereignisse zum Stiftungsjubiläum

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir hier an die Geschichte der Wissenschaftsstiftung der IG Metall erinnern.

8.11.1907 - 15.04.1972 Otto Brenner: Die Umverteilung des Wirtschaftswunders 

Ausschnitte aus “Der Eiserne Otto” – Zeitzeugen erinnern an Otto Brenner. Eine Filmdokumentation für die Otto Brenner Stiftung von Hans-Jürgen und Shaun Hermel, 2007.

Wie kein Zweiter prägte Otto Brenner die industriegewerkschaftlichen Geschicke der deutschen Wirtschaftswunderjahre. Unter seinem Vorsitz gelang es der IG Metall, die wirtschaftlichen Gewinne dieser beispiellosen Aufschwungphase auch für die Arbeiter*innen zu erkämpfen. Zu seinen Erfolgen zählen substantielle Gehaltssteigerungen, die Einführung der 40-Stunden-Woche und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch für Arbeiter*innen.

 

Zugleich musste Brenner besonnen und weitsichtig auf die ersten Wirtschaftskrisen, sowie eine zunehmende Automatisierung der Produktionsprozesse reagieren. Lag der Fokus seiner Arbeit auf dem Kampf um eine Demokratisierung der Wirtschaftsordnung, engagierte er sich auch mit Nachdruck in den gesellschaftlichen Kämpfen gegen Aufrüstung und gegen die Verabschiedung der „Notstandsgesetze“.
 

Otto Brenner steht für eine soziale wirtschaftliche Entwicklung, die Kooperation von Gewerkschaften mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft, sowie das vehemente Eintreten für eine fortschreitende Demokratisierung aller Lebensbereiche. Diese Positionen prägen bis heute das Handeln der nach ihm benannten Otto Brenner Stiftung.

 

Zur Biografie und Leseempfehlungen …

12.-14.04.1972 Forderung nach besserer Lebensqualität 

Ausschnitt Metall Zeitung Nr 09/1972, Seite 4.
Ausschnitt Metall Zeitung Nr 09/1972, Seite 4.

Die visionäre Tagung „Aufgabe Zukunft: Qualität des Lebens“ wird Otto Brenners frühes Vermächtnis. Auf Einladung der IG Metall kommen vom 12. bis 14. April 1972 mehr als 1300 Gäste aus Politik, Gewerkschaften und vor allem aus den Wissenschaften nach Oberhausen.

Weitere Infos zu "Oberhausen"

15.04.1972 Tod Otto Brenners 

Trauerfeier für Otto Brenner in der Paulskirche Frankfurt, Ausschnitt Metall Zeitung 09/1972, Seite 3.
Trauerfeier für Otto Brenner in der Paulskirche Frankfurt, Ausschnitt Metall Zeitung 09/1972, Seite 3.

Am Samstag, den 15. April 1972, erliegt Otto Brenner im Frankfurter Universitätsklinikum mit nur 64 Jahren seiner Herz-Kreislauferkrankung. Sein Tod kommt sowohl für seine Familie als auch für die von ihm geführte IG Metall unerwartet.

 

Fünf Tage später kommt es am 20. April in der Frankfurter Paulskirche zu einer außergewöhnlichen Trauerfeier. Neben Brenners Stellvertreter und späteren Nachfolger Eugen Loderer halten nicht nur diverse ranghohe Gewerkschafts- sowie auch Arbeitgebervertreter und der hessische Ministerpräsident eine Trauerrede, sondern ebenfalls Willy Brandt: Der Bundeskanzler verabschiedet „einen der großen Gewerkschaftsführer dieses Landes. Sein Mühen um mehr Gerechtigkeit, mehr Freiheit und mehr Solidarität soll uns Vermächtnis sein und Ansporn zugleich.“

 

► Visionär und Asket: Das erstaunliche Leben des Otto Brenner

 

► Zu Otto Brenners Lebensstationen

8.05. - 20.07.1972 Gründung der Otto Brenner Stiftung 

Der IG Metall-Pressedienst zur Gründung der Otto Brenner Stiftung

Bereits im Zuge der Vorbereitungen zur Trauerfeier kommt es zu Überlegungen, statt Blumengeschenken zu ehren Brenners, eine Stiftung einzurichten. Vorangetrieben wird dies von seinen ehemaligen Mitarbeitern Hans Preiss und Fritz Opel.

Weitere Informationen zur Stiftungsgründung

4.10.1972 Geschäftsführer Fritz Opel und der Beginn der Schriftenreihe 

Otto Brenner und sein enger Mitarbeiter Fritz Opel auf einer Konferenz. Familienarchiv: Heike Pinkall. Datum und Fotograf Unbekannt.
Otto Brenner und sein enger Mitarbeiter Fritz Opel auf einer Konferenz. Familienarchiv: Datum und Fotograf Unbekannt.

Am 4. Oktober 1972 wird der langjährige Brenner-Vertraute Fritz Opel (1912-1973) zum Geschäftsführer der jungen Stiftung ernannt. Er gibt als erste Publikation die Schriften-Edition „Aus Reden und Aufsätzen“ von Otto Brenner heraus. Sie begründet die „Schriftenreihe der Otto Brenner Stiftung“, die später im Bund Verlag erscheinen wird. Diese wird laut Opel „in Übereinstimmung mit dem Stiftungszweck in ungezwungener Form Themen und Probleme aus Theorie und Praxis der nationalen sowie internationalen Gewerkschaftsbewegung behandeln“.

 

So ist dann auch der zweite Titel dieser Reihe die wissenschaftliche Studie „Multinationale Konzerne und internationale Gewerkschaftsbewegung“. Ihre Lektüre soll „ein Ansporn sein, über die durch das Wachsen der internationalen Konzerne für die Arbeitnehmer entstehenden Probleme und Risiken nachzudenken und eine Gegenstrategie zu entwickeln.“

 

Damit legt Opel das Fundament für zwei richtungsweisende Perspektiven der frühen Stiftungsgeschichte: Einerseits Publikationen zu den Grundlagen und zur Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. Andererseits jeweils aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur gewerkschaftspolitischen Gegenwart und Zukunft.

22.11.1973 Michael Kittner wird Geschäftsführer 

Michael Kittner (1972) und zwei der von ihm herausgegebenen Bücher aus der OBS-Schriftenreihe. Foto: Günter Schindler.
Michael Kittner (1972) und zwei der von ihm herausgegebenen Bücher aus der OBS-Schriftenreihe. Foto: Günter Schindler.

Am 13. Oktober 1973 verstirbt überraschend Fritz Opel im Alter von 61 Jahren. Zu seinem Nachfolger bestellt der Vorstand der IG Metall Michael Kittner, der seine Tätigkeit am 22. November aufnimmt. 23 Jahre lang leitete er die Geschicke der Stiftung in Personalunion als Justiziar der IG Metall.
 

Mit dem neuen Geschäftsführer rückt das Arbeitsrecht als Forschungsthema stärker in den Fokus: Als Band 3 der OBS-Schriftenreihe erscheint etwa die Dokumentation der Tagung „Streik und Aussperrung“ vom 13. – 16. September 1973 in München. Es folgen in den kommenden Jahren zum Beispiel Publikationen zur Geschichte und Bewertung der Aussperrung (Band 14, 15 und 37) sowie zu Strategien von Warnstreiks (Band 29).
 

Aber auch der bereits eingeschlagene internationale Publikationsschwerpunkt wird fortgesetzt – mit Veröffentlichungen zu internationalen Streiks (Band 31) und Regional-Untersuchungen (z.B. Band 6: Großbritannien, Band 10: Schweden, Band 17 Jugoslawien und Band 34: Südafrika).
 

Rückblickend beschreibt Kittner die OBS in diesen Jahren als einen „richtig schönen, lebendigen Kleinverlag“.

12.04.1975 Die OBS und der "Vater des deutschen Arbeitsrechts" 

Durch die Otto Brenner Stiftung kommt es ab 1975 zur "Wiederentdeckung" von Hugo Sinzheimer. Zeichnung: Emil Stumpp.
Durch die Otto Brenner Stiftung kommt es ab 1975 zur "Wiederentdeckung" von Hugo Sinzheimer. Zeichnung: Emil Stumpp.

Zum 100. Geburtstag von Hugo Sinzheimer legt die Otto Brenner Stiftung den Grundstein für die Wiederentdeckung des bedeutenden Juristen. Eine Festveranstaltung gemeinsam mit der Akademie für Arbeit und dem Institut für Arbeitsrecht der Universität Frankfurt wird in den folgenden Jahren zur regelmäßigen Vorlesung.

 

Der damalige Geschäftsführer der OBS, Michael Kittner, sieht in Sinzheimer und Brenner zwei Seiten einer Medaille: Ersterer habe die Ideen von Tarifautonomie, Koalitionsfreiheit und modernem Arbeitsrecht entwickelt. Brenner dann „die Arbeitsrechtslehre von Sinzheimer zum Leben gebracht“.

 

Seitdem dient die Vorlesung einerseits dem Gedenken der historischen Arbeiten Hugo Sinzheimers und andererseits der Übersetzung der arbeitsrechtlichen Tradition in die aktuellen Fragestellungen. Zudem erscheinen in der OBS-Schriftenreihe Arbeiten des bedeutenden Arbeitsrechtlers sowie 1995 die erste deutschsprachige Biografie, die aus dem Japanischen übersetzt wurde.

 

Diesem Pfad folgend wird 2010 das Hugo-Sinzheimer-Institut in Verwaltung der OBS gegründet. Seit 2018 ist das Institut für arbeitsrechtliche Fragen bei der Hans-Böckler-Stiftung angesiedelt. Die Vorlesungsreihe führt es bis heute fort.

3.10.1990 Einheit und Transformation 

Mitglieder der IG Metall demonstrieren Anfang der 1990er-Jahre vor dem Sitz der Treuhandanstalt. Foto: Paul Glaser
Mitglieder der IG Metall demonstrieren Anfang der 1990er-Jahre vor dem Sitz der Treuhandanstalt. Foto: Paul Glaser.

Zum langfristig einschneidenden Ereignis für die Otto Brenner Stiftung wird die Deutsche Einheit. Sie stellt die Gewerkschaften insgesamt vor nie da gewesene Herausforderungen: Neue Strukturen entstehen, während zeitgleich die ostdeutsche Wirtschaft einbricht. Millionen Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und erleben persönliche Krisen. Die Treuhandanstalt wird zum Symbol rücksichtsloser Privatisierung.

Die OBS wandelt sich in dieser Zeit von der Herausgeberin einer Schriftenreihe zur aktiven Förderin neuer, tagesaktueller Forschungsprojekte. Das Ziel der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost- und West wird zusätzlicher Stiftungszweck. Mit Wissen und Expertise unterstützt die Stiftung so die Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit in den alten, aber vor allem in den neuen Bundesländern.

 

Die finanzielle Grundlage für die neuen Stiftungstätigkeiten bietet 1996 die „Zustiftung Ost“. Die 26,5 Millionen D-Mark stammen aus der Liquidation der IG Metall der DDR. Der IG Metall Vorstand stiftet zusätzliche 20 Millionen D-Mark.

1998 Jahrtausendwende: neue Themen, neue Formate 

OBS-Konferenz 2001 zur sozialen Dimension der EU-Osterweiterung mit Michael Blank und Referentin Dr. Petra Erler. Foto: Heide Reiss.
OBS-Konferenz 2001 zur sozialen Dimension der EU-Osterweiterung mit Michael Blank und Referentin Dr. Petra Erler. Foto: Heide Reiss.

Zwei neue Geschäftsführer, Michael Blank und Klaus Lang, führen die Stiftung ins neue Jahrtausend. Die OBS eröffnet ein Berliner Büro, in dem Mitarbeitende erstmals hauptberuflich beschäftigt sind. So kann sich die Stiftung erfolgreicher in die gesellschaftlichen Debatten der Zeit einbringen.


Entscheidend dafür sind zwei große Konferenzreihen: Von 1999 an werden auf OBS-Jahrestagungen gewerkschaftsnahe Positionen zu gesellschaftspolitischen Streitfragen diskutiert. Der Fokus liegt auf der Zukunft des demokratischen Sozialstaats in einer zunehmend globalisierten Welt. Im selben Jahr startet mit den Mittelosteuropa-Konferenzen zusätzlich ein gewerkschaftsnahes Forum zur sozialen Dimension der EU-Osterweiterung. Bis ins Jahr 2014 ermöglicht eine Kooperation mit der Hans-Böckler- und der Friedrich-Ebert-Stiftung die Konferenz an unterschiedlichen Orten in Europa; sie „begleiten“ als wichtige Foren die Transformationsgesellschaften „auf ihrem Weg nach Brüssel“.


Neben die OBS-Schriftenreihe, die noch bis 2005 regelmäßig erscheint, treten neue Publikationen: 1998 veröffentlicht die Stiftung eine erste Studie als Arbeitsheft. Auch die Öffentlichkeitsarbeit nimmt Fahrt auf: Mit dem „BrennerBrief“ erscheint ein neues Newsletter-Rundschreiben und 2001 geht die Website www.otto-brenner-stiftung.de online.

 

2005 Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheit 

Erste Preisverleihung an Journalist:innen 2005. Foto: Bildschön Fotografie Berlin.

Der Otto Brenner Preis macht die OBS zur Förderin kritischer Öffentlichkeit. 1999 zunächst zu wechselnden Themen ausgelobt, wird die Auszeichnung 2005 zum ersten Mal an Journalist:innen für investigative Leistungen vergeben. Darin schwingt die Kritik mit, dass die zeitgenössische wirtschafts- und sozialpolitische Berichterstattung unter einer drückenden Dominanz neoliberaler Einstellungen leidet. Der Preis an Medienschaffende, die sich einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Missstände bewahren, soll hingegen Rolle und Selbstverständnis der „vierten Gewalt“ stärken.

 

So zielen die Preiskategorie „Newcomer“ für unter 30-Jährige sowie Recherche-Stipendien explizit auch auf den journalistischen Nachwuchs. Bemerkenswert erfolgreiche Berufskarrieren und beeindruckende Lebenswege der Preisträger:innen unterstreichen das gute Gespür der von Anfang an unabhängig agierenden Fachjury. 2022 wird der Preis bereits zum 18. Mal verliehen. Er gehört heute zweifelsfrei zu den begehrtesten Auszeichnungen für Qualitätsjournalismus, die in Deutschland eine journalistische Biografie schmücken können.

2008 Gleichwertige Lebensverhältnisse durch Forschung und Förderung 

Das neue Selbstbewusstsein einer jungen Arbeitnehmergeneration zeigt sich hier 2018 in Leipzig. Foto: Angela Neumann.

Seit 2008 ist die Stiftung Neue Länder (SNL) Teil der OBS. Ihre Hauptaufgabe ist, arbeitsmarktpolitische Initiativen in den ostdeutschen Bundesländern unmittelbar zu fördern. Daneben veröffentlicht die SNL aber auch eigene Forschungsarbeiten: Die regionale Struktur- und Branchenpolitik in den gar nicht mehr so neuen Bundesländern ist zum Beispiel regelmäßig Thema von Publikationen.

 

Auch die Otto Brenner Stiftung veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen zu Entwicklungen in Ostdeutschland: Beispielsweise 2010 zum Fachkräftemangel (AH 65) und 2015 je eine Studie zur gewerkschaftlichen Organisationsmacht und der Vitalität betrieblicher Mitbestimmung (AH 82 und 83). Dreißig Jahre nach dem Mauerfall schaut dann 2019 die OBS-Jahrestagung unter dem Titel "Mauer in den Köpfen“ auf eine Studie über die junge Nachwendegeneration.

2010 Informieren und Diskutieren im digitalen Zeitalter 

Archivillustration der OBS Website von 2010.

Die OBS forscht nicht für die Schublade, sondern bringt ihr Studienergebnisse in die Öffentlichkeit. Das neue Publikationsformat „Arbeitsheft“, der Newsletter BrennerBrief und eine erste Internetseite unterstützen dieses Anliegen ab der Jahrtausendwende. 2010 gibt es einen umfassenden Relaunch von www.otto-brenner-stiftung.de. Hier werden wissenschaftliche Forschungsprojekte der Stiftung über Info-Seiten veröffentlicht und häufig auch digital mit interessantem Material zum Thema ergänzt.

Seit dem gleichen Jahr ist die OBS auch im „Social Web“ vertreten. Als erstes können sich User:innen auf Twitter und Facebook über die neusten Veröffentlichungen sowie Veranstaltungen informieren, diese teilen und kommentieren. Inzwischen ist die OBS auf 6 digitalen Plattformen präsent. Gleichzeitig bewahrt sich die Stiftung mit ihren medienkritischen Studien ihre kritische Distanz zu den Netzwerkbetreibern und ihren marktgetriebenen Algorithmen.

2011 Vom kritischen Journalismus zur Medienkritik 

Die ersten medienkritischen Studien der OBS aus den Jahren 2010 - 2014.

Die Otto Brenner Stiftung veröffentlicht ab 2011 mehrere Studien über die Bild-Zeitung. Sie kritisieren den politischen Einfluss und die konzeptionelle Nähe der „Zeitung“ zur „Welt der Werbung, der PR und des Marketings“. Zusammen mit einer Analyse der Berichterstattung über die Finanzmarktkrise 2008 ist dies der Startschuss für einen neuen Forschungsschwerpunkt.

 

Damit tritt die OBS unmittelbar in die Fußstapfen Otto Brenners. Bereits 1968 hat seine IG Metall auf dem Höhepunkt der damaligen Anti-Springer-Proteste eine wissenschaftliche Analyse der Bild in Auftrag gegeben, gegen die der Verlag 1972 sogar juristisch vorging.

 

Bis heute lässt die Otto Brenner Stiftung sich nicht davon abbringen, genau auf die Medienwelt zu schauen: Über was wird berichtet – und über was nicht? Welche Macht-, Wirtschafts- und Politikinteressen stehen hinter Informationen? Aber auch: Unter welchen Bedingungen wird Journalismus produziert? Und welchem digitalen und gesellschaftlichen Wandel sind diese unterworfen?

 

2016 Rechtsradikalen Positionen fundiert entgegentreten 

Die IG Metall Jugend weiß genau, wogegen sie demonstriert. Foto: Michael Hecker, IG Metall München.

Ganz im Sinne ihres Namensgebers fördert die Otto Brenner Stiftung seit jeher die wehrhafte Demokratie. Spätestens seit dem Erstarken der AfD sind Analysen der „Neuen Rechten“ ein Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen. Denn wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik braucht unsere pluralistische Gesellschaft heute fundierte Analysen ihrer Gegner.

 

Seit 2016 unterstützt die OBS etwa die Leipziger Autoritarismus Studien, eine Langzeituntersuchung rechtsextremen Gedankengutes in Ost- und Westdeutschland. Besonders intensiv analysiert die Stiftung auch die sich kontinuierlich radikalisierende Alternative für Deutschland (AfD). Die Landes- und Bundeswahlprogramme sowie das Verhalten der Partei in den Parlamenten sind genauso Gegenstand von Untersuchungen wie der Umgang der Medien mit ihr. Auch die neurechten Netzwerke in Deutschland und in der EU hat die OBS im Blick. Im Fall der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung zeigt der genaue Blick etwa, wie dreist sich Demokratiefeinde von dem Staat aushalten lassen wollen, den sie mit allen Mitteln bekämpfen.

 

Zur Übersicht unserer Studien über die Alternative für Deutschland (AfD)

  • 8.11.1907 - 15.04.1972 Otto Brenner: Die Umverteilung des Wirtschaftswunders 

    Ausschnitte aus “Der Eiserne Otto” – Zeitzeugen erinnern an Otto Brenner. Eine Filmdokumentation für die Otto Brenner Stiftung von Hans-Jürgen und Shaun Hermel, 2007.

    Wie kein Zweiter prägte Otto Brenner die industriegewerkschaftlichen Geschicke der deutschen Wirtschaftswunderjahre. Unter seinem Vorsitz gelang es der IG Metall, die wirtschaftlichen Gewinne dieser beispiellosen Aufschwungphase auch für die Arbeiter*innen zu erkämpfen. Zu seinen

    8.11.1907 - 15.04.1972 
  • 12.-14.04.1972 Forderung nach besserer Lebensqualität 

    Ausschnitt Metall Zeitung Nr 09/1972, Seite 4.
    Ausschnitt Metall Zeitung Nr 09/1972, Seite 4.

    Die visionäre Tagung „Aufgabe Zukunft: Qualität des Lebens“ wird Otto Brenners frühes Vermächtnis. Auf Einladung der IG Metall kommen vom 12. bis 14. April 1972 mehr als 1300 Gäste aus Politik, Gewerkschaften und vor allem aus den Wissenschaften nach Oberhausen.

    Weitere Infos zu "Oberhausen"
    12.-14.04.1972 
  • 15.04.1972 Tod Otto Brenners 

    Trauerfeier für Otto Brenner in der Paulskirche Frankfurt, Ausschnitt Metall Zeitung 09/1972, Seite 3.
    Trauerfeier für Otto Brenner in der Paulskirche Frankfurt, Ausschnitt Metall Zeitung 09/1972, Seite 3.

    Am Samstag, den 15. April 1972, erliegt Otto Brenner im Frankfurter Universitätsklinikum mit nur 64 Jahren seiner Herz-Kreislauferkrankung. Sein Tod kommt sowohl für seine Familie als auch für die von ihm geführte IG Metall unerwartet.

     

    Fünf Tage später kommt es am 20. April in der

    15.04.1972 
  • 8.05. - 20.07.1972 Gründung der Otto Brenner Stiftung 

    Der IG Metall-Pressedienst zur Gründung der Otto Brenner Stiftung

    Bereits im Zuge der Vorbereitungen zur Trauerfeier kommt es zu Überlegungen, statt Blumengeschenken zu ehren Brenners, eine Stiftung einzurichten. Vorangetrieben wird dies von seinen ehemaligen Mitarbeitern Hans Preiss und Fritz Opel.

    Weitere Informationen zur Stiftungsgründung
    8.05. - 20.07.1972 
  • 4.10.1972 Geschäftsführer Fritz Opel und der Beginn der Schriftenreihe 

    Otto Brenner und sein enger Mitarbeiter Fritz Opel auf einer Konferenz. Familienarchiv: Heike Pinkall. Datum und Fotograf Unbekannt.
    Otto Brenner und sein enger Mitarbeiter Fritz Opel auf einer Konferenz. Familienarchiv: Datum und Fotograf Unbekannt.

    Am 4. Oktober 1972 wird der langjährige Brenner-Vertraute Fritz Opel (1912-1973) zum Geschäftsführer der jungen Stiftung ernannt. Er gibt als erste Publikation die Schriften-Edition „Aus Reden und Aufsätzen“ von Otto Brenner heraus. Sie begründet die „Schriftenreihe der Otto Brenner

    4.10.1972 
  • 22.11.1973 Michael Kittner wird Geschäftsführer 

    Michael Kittner (1972) und zwei der von ihm herausgegebenen Bücher aus der OBS-Schriftenreihe. Foto: Günter Schindler.
    Michael Kittner (1972) und zwei der von ihm herausgegebenen Bücher aus der OBS-Schriftenreihe. Foto: Günter Schindler.

    Am 13. Oktober 1973 verstirbt überraschend Fritz Opel im Alter von 61 Jahren. Zu seinem Nachfolger bestellt der Vorstand der IG Metall Michael Kittner, der seine Tätigkeit am 22. November aufnimmt. 23 Jahre lang leitete er die Geschicke der Stiftung in Personalunion als Justiziar der

    22.11.1973 
  • 12.04.1975 Die OBS und der "Vater des deutschen Arbeitsrechts" 

    Durch die Otto Brenner Stiftung kommt es ab 1975 zur "Wiederentdeckung" von Hugo Sinzheimer. Zeichnung: Emil Stumpp.
    Durch die Otto Brenner Stiftung kommt es ab 1975 zur "Wiederentdeckung" von Hugo Sinzheimer. Zeichnung: Emil Stumpp.

    Zum 100. Geburtstag von Hugo Sinzheimer legt die Otto Brenner Stiftung den Grundstein für die Wiederentdeckung des bedeutenden Juristen. Eine Festveranstaltung gemeinsam mit der Akademie für Arbeit und dem Institut für Arbeitsrecht der Universität Frankfurt wird in den folgenden

    12.04.1975 
  • 3.10.1990 Einheit und Transformation 

    Mitglieder der IG Metall demonstrieren Anfang der 1990er-Jahre vor dem Sitz der Treuhandanstalt. Foto: Paul Glaser
    Mitglieder der IG Metall demonstrieren Anfang der 1990er-Jahre vor dem Sitz der Treuhandanstalt. Foto: Paul Glaser.

    Zum langfristig einschneidenden Ereignis für die Otto Brenner Stiftung wird die Deutsche Einheit. Sie stellt die Gewerkschaften insgesamt vor nie da gewesene Herausforderungen: Neue Strukturen entstehen, während zeitgleich die ostdeutsche Wirtschaft einbricht. Millionen Menschen

    3.10.1990 
  • 1998 Jahrtausendwende: neue Themen, neue Formate 

    OBS-Konferenz 2001 zur sozialen Dimension der EU-Osterweiterung mit Michael Blank und Referentin Dr. Petra Erler. Foto: Heide Reiss.
    OBS-Konferenz 2001 zur sozialen Dimension der EU-Osterweiterung mit Michael Blank und Referentin Dr. Petra Erler. Foto: Heide Reiss.

    Zwei neue Geschäftsführer, Michael Blank und Klaus Lang, führen die Stiftung ins neue Jahrtausend. Die OBS eröffnet ein Berliner Büro, in dem Mitarbeitende erstmals hauptberuflich beschäftigt sind. So kann sich die Stiftung erfolgreicher in die gesellschaftlichen Debatten der Zeit

    1998 
  • 2005 Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheit 

    Erste Preisverleihung an Journalist:innen 2005. Foto: Bildschön Fotografie Berlin.

    Der Otto Brenner Preis macht die OBS zur Förderin kritischer Öffentlichkeit. 1999 zunächst zu wechselnden Themen ausgelobt, wird die Auszeichnung 2005 zum ersten Mal an Journalist:innen für investigative Leistungen vergeben. Darin schwingt die Kritik mit, dass die zeitgenössische

    2005 
  • 2008 Gleichwertige Lebensverhältnisse durch Forschung und Förderung 

    Das neue Selbstbewusstsein einer jungen Arbeitnehmergeneration zeigt sich hier 2018 in Leipzig. Foto: Angela Neumann.

    Seit 2008 ist die Stiftung Neue Länder (SNL) Teil der OBS. Ihre Hauptaufgabe ist, arbeitsmarktpolitische Initiativen in den ostdeutschen Bundesländern unmittelbar zu fördern. Daneben veröffentlicht die SNL aber auch eigene Forschungsarbeiten: Die regionale Struktur- und

    2008 
  • 2010 Informieren und Diskutieren im digitalen Zeitalter 

    Archivillustration der OBS Website von 2010.

    Die OBS forscht nicht für die Schublade, sondern bringt ihr Studienergebnisse in die Öffentlichkeit. Das neue Publikationsformat „Arbeitsheft“, der Newsletter BrennerBrief und eine erste Internetseite unterstützen dieses Anliegen ab der Jahrtausendwende. 2010 gibt es einen umfassenden

    2010 
  • 2011 Vom kritischen Journalismus zur Medienkritik 

    Die ersten medienkritischen Studien der OBS aus den Jahren 2010 - 2014.

    Die Otto Brenner Stiftung veröffentlicht ab 2011 mehrere Studien über die Bild-Zeitung. Sie kritisieren den politischen Einfluss und die konzeptionelle Nähe der „Zeitung“ zur „Welt der Werbung, der PR und des Marketings“. Zusammen mit einer Analyse der Berichterstattung über die

    2011 
  • 2016 Rechtsradikalen Positionen fundiert entgegentreten 

    Die IG Metall Jugend weiß genau, wogegen sie demonstriert. Foto: Michael Hecker, IG Metall München.

    Ganz im Sinne ihres Namensgebers fördert die Otto Brenner Stiftung seit jeher die wehrhafte Demokratie. Spätestens seit dem Erstarken der AfD sind Analysen der „Neuen Rechten“ ein Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen. Denn wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik braucht

    2016 

Wir freuen uns sehr, auf der Jubiläumswebsite einen Einblick in unsere Stiftungsgeschichte geben zu können. Die Recherchen und Dokumentation zu mehr als einem halben Jahrhundert sind dabei nicht immer einfach. Sind Sie selbst im Besitz von Dokumenten, Fotografien oder anderem Material, welches gut in unsere Chronik oder unser Archiv passen würde? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf, um über eine etwaige Nutzung für die Chronik und die Seiten zu unserer Stiftungshistorie zu sprechen.

Die Rechte für die verwendeten Fotos auf den Seiten zum 50-jährigen Stiftungsjubiläum liegen bei den jeweils angegebenen Urhebern oder ihren Rechtsnachfolgern. Die Otto Brenner Stiftung hat überall dort, wo die Rechteinhaber ermittelt werden konnten, entsprechende Lizenzen für die Nutzung erworben. In einzelnen Ausnahmefällen war es trotz intensiver Recherche nicht möglich, die Rechteinhaber zu ermitteln. Wir bitten deshalb diejenigen Rechteinhaber, die wir nicht ermitteln und deshalb keine Nutzungsrechte erwerben konnten, für die Vereinbarung einer (Nach-)Lizensierungen auf uns zu zukommen.

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