Pressemitteilung

„Bild“ oben, Wulff unten – das Geschäft läuft weiter!

„’Bild’ und Wulff haben sich gegenseitig benutzt auf Kosten des Journalismus.“ Bis zum Bruch habe die Beziehung aus Deals darüber bestanden, was im beiderseitigen Interesse veröffentlicht werde und was nicht. „Bild“ habe Wulff und dessen damalige Frau Bettina glorifiziert und bejubelt und dafür im Gegenzug exklusiv Privates berichten dürfen, zum Beispiel über „eine romantische Nacht“ des Bundespräsidenten-Paares in der Wüste im Dezember 2011, unmittelbar bevor der „Wirbel um Wulff“ losging: „Um 5.45h standen sie auf und genossen den Sonnenaufgang über den Dünen. Bettina Wulff hatte vorsorglich Wollsocken eingepackt.“

In der OBS-Studie „’Bild’ und Wulff – Ziemlich beste Partner“ (erschienen 2012; nur noch online zugänglich; siehe unten) werden für den Zeitraum 2006 bis März 2012 mehr als 1500 Meldungen des „Bild“-Online-Archivs über Wulff untersucht. Unterschieden werden drei Phasen der Beziehung „Bild“-Wulff: In der Jubel-Phase bis Dezember 2011 wird Wulff in „Bild“ als der wunderbarste und erfolgreichste Mensch gepriesen – also genau in dem Zeitraum, in den die politisch-moralischen und juristisch relevanten Verfehlungen fallen. In der Wirbel-Phase Ende 2011 habe sich „Bild“ - nach dem Motto ‚unseren Mann im Präsidialamt lassen wir lieber selbst fallen` - an die Spitze der Enthüllungen gesetzt, um zu verhindern, dass ihr Polit-Star von „Stern“ und „Spiegel“ demontiert würde. In der Jagd-Phase bis zu Wulffs Rücktritt im Februar 2012 habe „Bild“ vergleichsweise zurückhaltend und oft nur unter Berufung auf andere Medien berichtet.

Die verbreitete Deutung der sogenannten Mailbox-Affäre als Angriff auf die Pressefreiheit bleibe an der Oberfläche der Ereignisse und verfehle die Realität. Wulffs Anruf sei für die „Bild“-Redaktion vielmehr ein Geschenk des Himmels gewesen, das sie dann zu einem passenden Zeitpunkt ausgepackt habe. „’Bild’ musste nicht mehr tun, als die Mailbox-Nachricht vertraulich, geschickt Stück für Stück in die Branche einsickern zu lassen und schon war sie die Heldin der Pressefreiheit.“ Die Vorstellung, ein tief in der Bredouille sitzender Christian Wulff sei in der Lage, das größte Medium des Landes mit einem verzweifelten Anruf unter Druck zu setzen, sei zwar immer absurd, aber trotzdem herrschende Interpretation gewesen.

Die OBS-Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz haben inzwischen insgesamt drei „Bild“-Studien vorgelegt. Die jüngste erscheint am kommenden Dienstag, 10. Juni, unter dem Titel „Missbrauchte Politik – ‚Bild’ und ‚BamS’ im Bundestagswahlkampf 2013“. Sie kann schon jetzt unter www.bild-studie.de (hier sind auch die Downloads der vergriffenen Studien und viele zusätzliche Informationen zu finden) vorbestellt werden, kostenlose Auslieferung dann in der Woche nach Pfingsten.

Kontakt:
Otto Brenner Stiftung    
Jupp Legrand  
Tel.: 069-66 93-2810     
info(at)otto-brenner-stiftung.de  


Autoren der Studien: 

Hans-Jürgen Arlt
www.kommunikation-und-arbeit.de
h-j.arlt(at)gmx.de

Wolfgang Storz
www.wolfgangstorz.de 
mail(at)wolfgangstorz.de