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Otto Brenner Newsletter

03/2021 – 23. Juni 2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

sein Urteil und die Schlussfolgerung von Valentin Sagvosdkin, der in einer breit angelegten und tiefbohrenden OBS-Untersuchung die wirtschaftsjournalistische Ausbildung durchforstet hat, hätten kaum deutlicher ausfallen können. Der junge Nachwuchswissenschaftler von der Cusanus Hochschule für Gestaltung bilanziert seine Analysen: „Vermutlich ist angehenden Wirtschaftsjournalist*innen kaum bewusst, dass sie in ihrer Ausbildung in Deutschland kaum Fachwissen aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern überwiegend eine neoklassische Monokultur vermittelt bekommen“. Und er ergänzt zuspitzend: „Eine Berichterstattung, die sich allein auf solche Expertise stützt, ist im besten Fall fachlich inadäquat, im schlechtesten Fall ist sie (unabsichtlich) politisch gefärbt.“

Zu welchen konkreten Defiziten diese wirtschaftsjournalistischen Leerstellen der Ausbildung führen können, konnten wir schon vor über 10 Jahren mit der OBS-Studie „Wirtschaftsjournalismus in der Krise“ zeigen. Ohne Zweifel hat sich im vergangenen Jahrzehnt aber auch einiges verändert – im Wirtschaftsjournalismus lassen sich positive Entwicklungen nicht von der Hand weisen. Dass immer wieder riesengroße Skandale, finanzpolitische Ungereimtheiten oder kriminelle Fälle (von Siemens und Panama Papers über Cum-Ex und Diesel-Betrug bis hin zu Wirecard) aufgedeckt werden konnten, ist einem investigativ recherchierenden und hartnäckig arbeitenden kritischen (Wirtschafts-) Journalismus zu verdanken.

Ein kleiner (aber für die persönliche Motivation und das redaktionelle Profil unschätzbarer) Baustein für Anerkennung, Wertschätzung und Unterstützung dieser Arbeiten können auch Journalisten-Preise sein, die unerschütterlichen Mut, intensive Recherchen und besondere Leistungen würdigen.

Wir loben seit nunmehr fast 20 Jahren unseren „Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus“ aus. Unsere Jury kann aus durchschnittlich mehr als 500 Bewerbungen Gewinner und Preisträgerinnen auswählen - und immer wieder glänzen dabei Beiträge, die sich kenntnisreich und investigativ mit Themen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt profiliert haben (Alle PreisträgerInnen seit 2005).

Diese hohe Beteiligung, die große Wertschätzung, die unser Preis über Mediengrenzen hinweg erfährt, und die breite Anerkennung, die er genießt, unterstreichen, dass „Kritischer Journalismus“ hierzulande gefragt ist, engagierter Wirtschaftsjournalismus als Sauerstoff für die Demokratie wirkt und sein Wirken als „vierte Gewalt“ geschützt werden muss.

Wir freuen uns wieder über zahlreiche Bewerbungen in der diesjährigen Ausschreibung, die noch bis zum 30. Juni läuft, nehmen mit Elan und Zuversicht die nächsten Aufgaben in Angriff - und danken dafür, dass unsere Leser*innen unsere Arbeit schätzen, mit Interesse die Ergebnisse verfolgen und gelegentlich auch durch Spenden materiell unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen
Das OBS-Team

Frankfurt/Main, im Juni 2021

Otto Brenner Preis - Ausschreibung läuft noch bis 30. Juni

2021 schreiben wir den "Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus" zum 17. Mal aus. Wir nehmen noch bis zum 30. Juni Bewerbungen online entgegen. Der Preis wird in 5 Kategorien ausgelobt und es werden auch wieder bis zu 3 Recherche-Stipendien vergeben. Publikumsempfehlungen sind wie immer willkommen. Insgesamt ist der Preis in diesem Jahr wieder mit 47.000 € dotiert.

Zum Thema  Otto Brenner Preis - Ausschreibung läuft noch bis 30. Juni

Aktuelle OBS-Studie

Blinde Flecken der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung

Die Qualität der wirtschaftsjournalistischen Berichterstattung führt seit Jahren immer wieder zu Kontroversen. Kritisiert wird, dass einseitige Sichtweisen dominieren und konzeptionelle Vielfalt nicht genügend abgebildet wird. Mit unserer empirisch breit angelegten Studie gehen wir der Frage nach, wie wirtschaftswissenschaftlich plural und reflexiv Wirtschaftsjournalist*innen ausgebildet und qualifiziert werden. Grundlegende Qualifizierungszugänge werden identifiziert, über 300 Modulangebote aus 17 Studiengängen von sechs Universitäten und drei Hochschulen untersucht. Ergebnis: Die wirtschaftsjournalistischen Zugänge zeichnen sich nicht durch inhaltliche Breite aus, sondern haben eine wirtschaftspolitische Schlagseite. Stiftung und Autor schlagen einen Mindeststandard für wirtschaftsjournalistische Qualifizierung vor, der aus drei Bausteinen besteht.

Qualifiziert für die Zukunft?“ Zur Pluralität der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung in Deutschland, AH 104 der OBS: bestellen, online lesen oder runterladen.

Zum Thema  Blinde Flecken der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung

+++ Achtung +++ Schon vormerken +++ Achtung +++
Publikationen der OBS, die bis Mitte Juli erscheinen

 
  • Christine Meltzer: Gewalt gegen Frauen, AP 47, Ende Juni 2021

  • Rainer Sprengel: Oppostitionelle Engagement- und Demokratiepolitik im Deutschen Bundestag, BBE/OBS-Arbeitspapier Nr. 12, Anfang Juli

  • SNL/OBS: Der Verein Neue Arbeit Chemnitz – Engagiert für Menschen in Sachsen, Juni/Juli

  • Sven Osterberg: Aufstocker im Bundestag IV, MdB-Nebentätigkeiten, Anfang Juli

  • Hektor Haarkötter u.a.: Medienjournalismus in Deutschland, AH 105 der OBS, Juli 2021

  • Lutz Frühbrodt u.a.: Podcasts, AH 106, Juli 2021

 

Weitere aktuelle OBS-Publikationen

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OBS/SNL: Arbeitsmarktprojekte in den neuen Bundesländern

Die „Stiftung zur Förderung arbeitsmarktpolitischer Vorhaben in den neuen Bundesländern“ ist eine nicht rechtsfähige Stiftung in Verwaltung der Otto Brenner Stiftung (OBS). Seit mehr als einem Jahrzehnt unterstützt die „Stiftung neue Länder (SNL)“ auch konkrete Arbeitsmarktprojekte. Dabei kann es etwa um die Reintegration von Langzeitarbeitslosen auf den 1. Arbeitsmarkt gehen oder um aktive Unterstützung für Jugendliche, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Die Stiftung kann auch von ihr finanzierte Projekte wissenschaftlich begleiten lassen.

OBS/SNL: Strukturpolitische Instrumente

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