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Otto Brenner Newsletter

06/2020 – 16. Dezember 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

es war ein fundierter Beitrag in der tageszeitung (taz), der erstmals darauf hinwies, dass unsere Studie über den „Medienmäzen Google“ fast ausschließlich von Medien aufgegriffen und gewürdigt wurde, die keine finanzielle Förderung durch den Datenkonzern erhalten hatten. Nur der Tagesspiegel und die taz selbst bilden bisher die Ausnahmen, recherchierten der Mediendienst Altpapier sowie Christian Meier für Die Welt und die Welt am Sonntag(WamS). Alexander Fanta und Ingo Dachwitz, die beiden profilierten Datenjournalisten und Autoren der OBS/DGB-Studie, konnten in ihrer innovativen Pionierarbeit über Googles Journalismusförderung zwar keine direkte Einflussnahme des Konzerns auf redaktionelle Inhalte feststellen. Aber es ist zumindest auffällig, dass die Medien- oder Wirtschaftsseiten auflagenstarker Zeitungen und wichtiger Magazine, die finanziell und strukturell von Google gefördert wurden, unsere Studie bisher links liegen gelassen haben.

Die (Mit-)Finanzierung von Medien durch global tätige Datenkonzerne wirft andererseits weitere Fragen auf: Wie steht es generell um die Sicherung der Medienvielfalt, wenn „Big Tech“ ansetzt, zum „Betriebssystem des Journalismus“ (OBS-Studie über Google) zu werden? Wie kann die finanzielle Unterstützung der Medien durch Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley transparenter gestaltet werden? Und: Bedarf es vielleicht sogar Initiativen für mehr öffentliche und nachhaltige Medienförderung jenseits privatwirtschaftlicher Interessen?

Mit “Medienmäzen Google“, so viel scheint jedenfalls festzustehen, haben wir einen Stein ins Wasser geworfen, der Aufmerksamkeit geweckt und einige Wellen geschlagen hat, die hoffentlich noch weitere Kreise ziehen werden. Da Google nicht nur in Deutschland den Journalismus umgarnt und die Ergebnisse der OBS/DGB-Studie es verdient haben, weit darüber hinaus wahrgenommen zu werden, haben wir „Medienmäzen Google“ übersetzt und inzwischen auch die englischsprachige Fassung online veröffentlicht.

Im Herbst hat ein zweites OBS-Kooperationsprojekt für Schlagzeilen gesorgt. Auf Einladung der Bundespressekonferenz (BPK) konnten wir Mitte November, zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) und der Uni Leipzig, die neue Autoritarismus-Studie (LAS 2020) vorstellen. Während draußen um den Reichstag herum Corona-LeugnerInnen, Impf-GegnerInnen und VerschwörungserzählerInnen für gespenstige Unruhe, laute Proteste und massive Polizeieinsätze sorgten, berichteten drinnen im großen Saal der BPK die Herausgeber über wichtige Ergebnisse und zentrale Befunde der Untersuchung, die als Buch „Autoritäre Dynamiken“ erschienen ist. Die „Leipziger Autoritarismus-Studie 2020“ zeigt, dass rechtsextremistische und autoritäre Einstellungen eine beständige Bedrohung für die offene, demokratische Gesellschaft bleiben. Bei rechtsextrem eingestellten Personen verfestigen sich neonazistische Ideologien und ethnozentrische Einstellungen. Chauvinismus und Ausländerfeindlichkeit stabilisieren sich in der gesamten Bevölkerung auf einem hohen Niveau. Zudem droht, wer sich benachteiligt fühlt und seine Probleme mit der Ausbildung einer Verschwörungsmentalität bearbeitet, in rechtsextreme Positionen abzurutschen. Unterm Strich: Die Polarisierung in der Gesellschaft hält an, die Radikalisierung der Diskurse und einiger Milieus ist nicht gestoppt. „Hygiene“-Demos, „Querdenker“-Aktionen und online-Corona-Auseinandersetzungen bestätigen demnach auf Straßen, Plätzen und sozialen Medien die aktuellen Trends und langfristigen Erkenntnisse, die die ForscherInnen um Oliver Decker und Elmar Brähler in ihren empirischen Tiefenbohrungen über mehrjährige Untersuchungsperioden herausgefunden haben.

Die Corona-Pandemie bestimmt seit März nicht nur die Schlagzeilen der Presse, sie prägt weiterhin auch unseren privaten wie beruflichen Alltag. Ein in vielerlei Hinsicht schwieriges Jahr endet in wenigen Tagen – und schon heute wissen wir: Auch Weihnachten und der Jahreswechsel zu Silvester stellen uns vor weitere und zusätzliche Herausforderungen, die uns in den kommenden Wochen neue Erfahrungen bescheren werden.

Wir wünschen allen an der Arbeit der OBS Interessierten und unseren ideellen wie materiellen UnterstützerInnen eine gute Zeit und hoffen, dass wir in 2021 große Schritte zu einer neuen, besseren Normalität zurücklegen können. Jedenfalls sind wir zum Ende eines merkwürdigen Jahres (noch) guter Dinge, für November 2021 wieder Einladungen zur Verleihung der Otto Brenner Preise aussprechen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Das OBS-Team

Frankfurt/Main, Dezember 2020

Leipziger Autoritarismus-Studie 2020

Seit inzwischen fast 20 Jahren werden die Leipziger Studien zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen veröffentlicht. Die analytischen Tiefenbohrungen sollen helfen, aktuelle Entwicklungen zu erklären und gesellschaftliche Entwicklungen zu deuten.

Die aktuelle Studie hat erstmals untersucht, ob demokratische Enttäuschungen - aber auch demokratische Resilienzen - mit Partizipations- und Beteiligungserfahrungen (oder deren Ausbleiben) am Arbeitsplatz zusammenhängen. Ergebnis: Auch die Arbeitswelt ist als wichtiger Ansatzpunkt mitzudenken, wenn den neuen autoritären Dynamiken demokratische Standfestigkeit entgegengesetzt werden soll. „Autoritäre Dynamiken“ eignet sich auch für die politische und gewerkschaftliche Bildungsarbeit.

Info-Seite mit weiteren Unterlagen (Download, PM, Grafiken, FAQ, Reaktionen)

Links zur Studienreihe (mit viel Material und ausgewählten Reaktionen)

Zum Thema  Leipziger Autoritarismus-Studie 2020

Wie der Medienmäzen Google den Journalismus umgarnt

Der Internet-Riese Google hat seit 2013 mehr als 200 Mio. Euro in den europäischen Journalismus gesteckt, der Löwenanteil ging nach Deutschland. Neben technologischen Entwicklungen werden auch Rechercheprojekte gefördert, Journalismus-Kongresse organisiert und Ausbildungsaufenthalte junger JournalistInnen finanziert. Warum macht Google das?

Ingo Dachwitz und Alexander Fanta, zwei engagierte Wissenschaftler und profilierte Datenjournalisten, beschreiben die Facetten eines komplexen „Ökosystems“ von Medienverlagen, Redaktionen und Datenkonzernen, werten aktuelle Daten über die finanziellen Zuwendungen aus und befragen AkteurInnen beider Seiten zu dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Die Studie zeigt, wie Google die Medien umgarnt – und lädt zugleich ein zu einer Debatte über öffentliche Innovationsförderung für den Medienbereich.

Fanta/Dachwitz: Medienmäzen Google – Wie der Datenkonzern den Journalismus umgarnt; AH 103, Oktober 2020;

Zum Thema  Wie der Medienmäzen Google den Journalismus umgarnt

Defizite in der Medienberichterstattung über Vermögenssteuer

Seit 1997 wird die Vermögenssteuer in der Bundesrepublik nicht mehr erhoben. Seitdem haben sich wichtige Rahmenbedingungen deutlich verändert (starker Anstieg der Staatsausgaben zur Rettung der Banken nach 2008, die Eurokrise der frühen 2010er Jahre, die aktuelle Corona-Pandemie mit ihren Milliardenaufwendungen und die weiter wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich). Hat sich dieser grundlegende Wandel in der medialen Berichterstattung über die Vermögenssteuer niedergeschlagen? „Streitfall Vermögenssteuer“ identifiziert erstaunliche Lücken und kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen.

Zum Thema  Defizite in der Medienberichterstattung über Vermögenssteuer

Interessante OBS-Arbeitshefte: schon vergriffen, Download weiterhin möglich

Bedrängte Zivilgesellschaft von rechts

Ist die Zivilgesellschaft ein Hort der Demokratie – oder ein Einfallstor für rechts? Mit welchen Themen und in welchen Bereichen versuchen Rechte ihren „Marsch durch die Organisationen“, wie reagieren Akteure der organisierten Zivilgesellschaft darauf und erweist sie sich als anfällig für rechte Interventionen – wie etwa „Hygiene-Demos“ nahezulegen scheinen. „Bedrängte Zivilgesellschaft von rechts“ geht diesen Fragen nach.

Wolfgang Schroeder u.a.: Bedrängte Zivilgesellschaft von rechts. Interventionsversuche und Reaktionsmuster, AH 102 der OBS, 152 S.; Juni 2020.

Zum Thema  Bedrängte Zivilgesellschaft von rechts

„Nachrichten mit Perspektive“

Redaktionen und JournalistInnen in Deutschland versuchen, auch in Krisenzeiten eine problemfixierte Berichterstattung mit konstruktiven Ansätzen zu ergänzen. Sie sehen darin eine Chance, „den Journalismus“ nachhaltig zu verändern, so das Fazit von „Nachrichten mit Perspektive“. In der Studie werden Konzepte konstruktiver und lösungsorientierter Berichterstattung vorgestellt und erste praktische Umsetzungen in Deutschland analysiert. Mit Berichten aus der Praxis, intensiven Interviews mit ExpertInnen und einem breiten Serviceteil ist „Nachrichten mit Perspektive“ mehr als eine Einführung für KritikerInnen wie ProtagonistInnen der Konzepte. Die OBS-Publikation ist auch interessant für den journalistischen Alltag und eignet sich zudem für Qualifizierungsangebote in der Aus- und Weiterbildung.

Leif Kramp/Stephan Weichert: Nachrichten mit Perspektive – Lösungsorientierter und konstruktiver Journalismus in Deutschland; OBS-Arbeitsheft 101; Frankfurt/M., Mai 2020

Zum Thema  „Nachrichten mit Perspektive“

OBS-Arbeitspapiere: online lesen oder Studien downloaden

Wählen mit 16?

Eine Reihe von Staaten (z.B. Österreich) hat das Wahlalter bei nationalen Wahlen auf 16 Jahre festgelegt; auch in einigen deutschen Bundesländern kann man bei Kommunal- und Landtagswahlen schon mit 16 Jahren zur Wahl gehen. Weder das Alter für Volljährigkeit noch die Kopplung der Wahlberechtigung daran sind ein Naturgesetz, das Wahlrecht ist nicht in Stein gemeißelt, das Wahlalter kein Tabu.

Die OBS liefert mit „Wählen mit 16?“ einen empirischen Beitrag zur aktuellen Debatte um die Absenkung des Wahlalters. Die Studie wägt Pro- und Contra-Argumente ab, setzt sich mit Lebenslagen und Interessen Jugendlicher auseinander und bietet Orientierungshilfen für gesellschaftspolitische Weichenstellungen.

Zum Thema  Wählen mit 16?

OBS/SNL: Arbeitsmarktprojekte in den neuen Bundesländern

Die „Stiftung zur Förderung arbeitsmarktpolitischer Vorhaben in den neuen Bundesländern“ ist eine nicht rechtsfähige Stiftung in Verwaltung der Otto Brenner Stiftung (OBS). Seit nunmehr 12 Jahren unterstützt die „Stiftung neue Länder (SNL)“ u.a. konkrete Arbeitsmarktprojekte. Dabei kann es z.B. um die Reintegration von Langzeitarbeitslosen auf den 1. Arbeitsmarkt gehen oder etwa um aktive Unterstützung für Jugendliche, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden. Die Stiftung kann auch von ihr finanzierte Projekte wissenschaftlich begleiten lassen.

Zum Thema  OBS/SNL: Arbeitsmarktprojekte in den neuen Bundesländern
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