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Otto Brenner Newsletter

03/2019 – 26. Juni 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

2019 ist das "Jahr der runden Jubiläen". In der ersten Hälfte des Jahres konnte u. a. an 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnert und 70 Jahre Grundgesetz gefeiert werden. Auch in der zweiten Jahreshälfte runden zahlreiche Ereignisse und historische Daten. Vor 70 Jahren entstanden aus der „SBZ“ die DDR, aus den westlichen Besatzungszonen die BRD. 20 Jahre später, im Herbst 1969, wurde Willy Brandt Bundeskanzler. Sein „Wir wollen mehr Demokratie wagen“ prägte eine Ära. 1989, also vor 30 Jahren, fiel in Berlin die Mauer. Im November 2019 wird an dieses epochale Ereignis erinnert - die Überwindung der Teilung Deutschlands und das Ende der Spaltung Europas wären ohne den Mauerfall in Berlin undenkbar geblieben.

Die OBS hat schon zu Beginn des Jahres mit der Veröffentlichung der Studie über die Nachwendegeneration erste Akzente im Jubiläumsjahr 2019 gesetzt. Uns treibt weiter um, ob nach dem Fall der Mauer inzwischen wieder neue Gräben entstanden sind, die Ost und West weiter teilen. 30 Jahre nach der friedlichen Revolution sind wir nach wie vor weit entfernt von einer Angleichung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Was Wahlverhalten und Parteienentwicklungen anbetrifft, scheinen sich Unterschiede sogar eher zu vergrößern. Dass auf die staatliche Einheit nicht die soziale Einheit folgte, muss weiter konstatiert werden. Führt diese Entwicklung dazu, dass eine „Mauer in den Köpfen“ entstanden ist, die wieder Ost und West teilt? Oder haben wir es inzwischen mit politische Fragen und gesellschaftspolitischen Weichenstellungen zu tun, die sich nicht mehr über geografische Trennlinien definieren lassen?

Diese und weitere Fragen wird die OBS bei der diesjährigen Jahrestagung aufwerfen. Unsere Verleihung der „Otto Brenner Preise für kritischen Journalismus“ werden wir 2019 nicht mit einer medienpolitischen Veranstaltung verknüpfen. Wir greifen das Thema „Mauer in den Köpfen“ auf und wollen besonders mit jüngeren Menschen ihre Sicht der deutschen Einheit und Zukunftsfragen diskutieren.

Wir freuen uns, ab Ende August für die Tagung am 19. November einladen zu können und hoffen, viele an der Arbeit der OBS Interessierte dort begrüßen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Das OBS-Team

(Juni 2019)

Ausschreibung Otto Brenner Preis 2019

Es sind nur noch wenige Tage: kommenden Sonntag, den 30.6., schalten wir unsere Seite für die Einreichung von Bewerbungsunterlagen offline. Wir haben 2019 unseren Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus bereits zum 15. mal ausgeschrieben; wieder gehen wir davon aus, dass unsere Jury aus über 500 Bewerbungen auswählen kann und würdige PreisträgerInnen auszeichnen wird. Unter dem Motto „Kritischer Journalismus – gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ besteht auch noch die Möglichkeit, Publikumsempfehlungen einzureichen. Die Preisverleihung findet am 19. November in Berlin statt.

Zum Thema

Mediale Lernprozesse beim Thema "Migration"?

„Die ‚Flüchtlingskrise‘ in den Medien“ war 2017 Titel einer OBS-Studie, die auf große Resonanz stieß und über deren Ergebnisse heftig gestritten wurde. Autor Michael Haller war zu dem Ergebnis gekommen, dass der tagesaktuelle Informationsjournalismus seiner Aufgabe bei der Berichterstattung über die „Flüchtlingskrise 2015/16“ nicht gerecht wurde: Indem er einseitig, meist aus Sicht der politischen Eliten und meinungsbetont berichtete, wirkte er nicht diskursiv, sondern polarisierend.

In einer „Fallstudie“ geht die OBS jetzt der Frage nach, wie tagesaktuelle Informationsmedien im Herbst 2018 über den „UN-Migrationspakt“ berichtet haben und ob sich relevante Unterschiede zur Berichterstattung über die „Flüchtlingskrise 2015/16“ zeigen lassen.

Mit „Lernprozessen“ befasst sich auch der zweite Teil des aktuellen Arbeitspapieres 37. In einem „Report“ systematisiert Haller die Rezeptionsgeschichte seiner ersten Studie und spürt Veränderungen im redaktionellen Alltag von Lokal- und Regionalzeitungen nach.

Arbeitspapier online lesen oder Downloaden (AP 37 liegt nicht gedruckt vor!): 
Michael Haller: Zwischen „Flüchtlingskrise“ und „Migrationspakt“ – Mediale Lernprozesse auf dem Prüfstand; OBS-Arbeitspapier 37, Frankfurt/Main, Mai 2019

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Vierte Studie zu den Dritten Programmen der ARD

2013 wirbelte eine OBS-Studie viel Staub auf. „Zwischen Boulevard und Ratgeber-TV“ hieß die vergleichende Programmanalyse von SWR und NDR, die sich erstmals mit dem Profil der reichweitenstarken Dritten Programme beschäftigte.

Zwei weitere Untersuchungen folgten: 2015 rückte die OBS den MDR und den WDR in den Mittelpunkt, 2017 wurden dann Programmstrukturen und -inhalte von BR und hr analysiert.

Im Frühjahr 2019 brachte die OBS mit einer Studie zum rbb (und einer abermaligen SWR-Untersuchung) die innovative Reihe der Analysen der „Dritten“ in der ARD zum Abschluss.

„Krimis, Kontroversen, Kochrezepte“ – die aktuelle Programmanalyse von rbb und SWR - liefert auch zusammenfassend zahlreiche Daten „zum Regionalen in den Dritten der ARD“.

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Agenda-Setting vor der Bundestagswahl 2017?

Seit dem Einzug der AfD in den Bundestag findet die These viel Zuspruch, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren Themensetzungen „der Rechten“ den Einzug ins Parlament erleichtert hätten. Haben, mit anderen Worten, gebührenfinanzierte Sender mit einer Themenfokussierung auf Flüchtlinge und mit Migration als Dauerbrenner „die AfD erst bundestagsfähig“ gemacht?

In „Agenda-Setting bei ARD und ZDF?“ geht die OBS dieser Frage nach und analysiert 56 politische Sendungen im Monat vor der Bundestagswahl im Herbst 2017. Die materialreiche Erhebung trägt viele Fakten zusammen, schafft so eine solide empirische Grundlage für faire Urteile und wagt Einordnungen, die zu weiterführenden Debatten motivieren sollen.

Marc Liesching/Gabriele Hooffacker: „Agenda-Setting bei ARD und ZDF? – Analysen politischer Sendungen vor der Bundestagswahl 2017“, (OBS-Arbeitspapier 35; April 2019)

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Unboxing Youtube

Die sozialen Medien haben die Welt verändert. Twitter, Facebook und YouTube haben den Trend zur inhaltlichen Verkürzung und dramaturgischen Zuspitzung stark beschleunigt. Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass diese Medien für Jugendliche und Kinder zur primären Quelle für Informationen, Unterhaltung und Zeitvertreib geworden sind. Doch was wird dort eigentlich „gesendet“, welche Botschaften werden vermittelt?

Unsere OBS-Studie über YouTube geht diesen Fragen nach, klärt aber auch grundsätzlich über die Funktionsweise der beliebten Videoplattform auf. So zeigt sie, dass die populärsten Videomacher, die so genannten Influencer, oft überwunden geglaubte Geschlechter-Stereotypen propagieren und von professionellen Agenturen gemanagt werden – mit dem Ziel, möglichst hohe Werbeeinnahmen zu generieren. Zusätzlich diskutiert die Studie weitere sensible Themen, wie die Problematik der „Kinder-Influencer“, die Grauzonen der Werbekennzeichnung und die Reaktion der öffentlich-rechtlichen Sender auf den Aufstieg von YouTube.

Unsere Studie ist erschienen, bevor das Video von Renzo „Über die Zerstörung der CDU“ millionenfach angeklickt wurde. Die hohe Aufmerksamkeit für Youtube-Themen hat auch dazu geführt, dass unsere Studie schnell vergriffen war.

Das Arbeitsheft 98 kann auf unserer Informationsseite gelesen und heruntergeladen werden. Ebenfalls stellen wir den Online-Anhang und Reaktionen zur Studie bereit.

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Analyse der "Nachwendegeneration"

Der Fall der Berliner Mauer jährt sich 2019 zum 30. Mal. Wie aber sieht es heute mit der Einheit bei denjenigen aus, die die Teilung Deutschlands und „die Mauer“ gar nicht mehr selbst erlebt haben? Die Studie belegt: Auch wenn sie bröckelt, die Mauer in den Köpfen existiert tatsächlich weiter. Die Umfrageergebnisse zeigen eindrücklich, warum es daher nach wie vor gilt, Chancengleichheit in Ost- und Westdeutschland zu gewährleisten und gegenseitiges Verständnis für Transformationsleistungen zu stärken, um Berührungspunkte zu schaffen und den Mauerfall in einem gemeinsamen Geschichtsverständnis zu erinnern.

Auf unserer Informationsseite gibt es weiteres Material sowie die Studie kostenfrei zum Download und zum Bestellen.

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"Mehr Mitglieder für Gewerkschaften"

Die politische Macht, die finanzielle Kraft und die gesellschaftliche Legitimation von „Mitmach“-Organisationen wie die Gewerkschaften hängt entscheidend ab von der Zahl ihrer Mitglieder. Sinkende Mitgliederzahlen schränken die Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit ein, Macht und Einfluss sinken, Vertrauen und Legitimation schwinden. Die Untersuchung wagt eine kritische Zwischenbilanz der IG Metall-Mitgliederprojekte und stellt einige spannende Ergebnisse aus der Praxis zur Diskussion.

Informationen sowie Bestellung und Download der OBS-Studie von Wolfgang Schroeder, Stefan Fuchs und Lukas Heller.

Zum Thema  "Mehr Mitglieder für Gewerkschaften"

Links, Tipps und Termine