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Pressemitteilung, 30.07.2020

Otto Brenner Stiftung

„Wählen mit 16“: Großes Potenzial, aber kein Selbstläufer

SPERRFRIST - 30. Juli 2020, 12:00 Uhr

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Informationsseite zur Studie

+++ Seit 50 Jahren gilt bei bundesweiten Wahlen ein Wahlalter von 18 +++ Kommunal- und Landtagswahlen kennen schon Wahlalter 16 +++ FU-Politikwissenschaftler befragten Jugendliche nach der Septemberwahl 2019 in Brandenburg und Sachsen +++ Befunde zeigen politisches Potenzial einer Senkung des Wahlalters +++ Wissenschaftler fordern „flankierende Maßnahmen“ +++

Die Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Faas und Arndt Leininger, Ph.D., vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin, haben in einer von der Otto Brenner Stiftung finanzierten Studie bei 15- bis 24-Jährigen empirisch untersucht, welche Chancen und Risiken mit einer derzeit viel diskutierten Absenkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahren verbunden sind: „Wir finden wenig, was gegen eine Absenkung des Wahlalters spricht“, bilanziert Projektleiter Arndt Leininger. Man müsse allerdings insbesondere darauf achten und hinwirken, dass mit der Absenkung des Wahlalters nicht auch die soziale Ungleichheit der Wahlbeteiligung ansteige, ergänzt Thorsten Faas und bilanziert: „Ein Selbstläufer ist das nicht.“ „Mit dieser Studie wollten wir“, so OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand, „die strittige, häufig vor allem normative Diskussion rund um das Wahlalter empirisch unterfüttern und Orientierungspunkte für mögliche gesellschaftspolitische Weichenstellungen geben“.

Kritiker*innen einer Absenkung führen häufig an, jungen Menschen unter 18 Jahren fehle es an der nötigen „Reife“, um wählen zu können. Dies liege nur daran, dass sie nicht wahlberechtigt seien, entgegen Befürworter*innen, Interesse und Wissen würden durch die Möglichkeit der Teilhabe wachsen. „Das stimmt so beides nicht“, sagt Thorsten Faas, „wir finden in unserer Studie schon bei 15-Jährigen ein recht ausgeprägtes Interesse und Wissen an und über Politik – und das unabhängig vom gültigen Wahlrecht in beiden untersuchten Bundesländern“.

Eine umfassende Debatte des Wahlalters erfordere aber, dass man den Blick ausweite und auch das private und schulische Umfeld junger Menschen und das damit verbundene Informationsumfeld einbeziehe. Denn gerade bei jüngeren Menschen sei es wahrscheinlicher, dass sie noch die Schule besuchen und zu Hause wohnen – Faktoren, die eine Teilnahme an einer Wahl eher begünstigten und daher für eine Absenkung des Wahlalters sprechen. Aber genau hier zeige sich die Ambivalenz der möglichen Absenkung: „Wer ist mit 17 oder 18 noch in der Schule? Wo wird viel über Politik gesprochen? Hier sehen wir deutliche Unterschiede zwischen jungen Menschen“, so Thorsten Faas. So sei es zwar möglich, durch eine Senkung des Wahlalters junge Menschen zu Hause oder in der Schule mit Politik in Verbindung zu bringen, allerdings vor allem in privilegierten heimischen oder schulischen Kontexten. Im Sinne einer gleichmäßigen Beteiligung und damit einer demokratischen Gleichheit sei eine Absenkung des Wahlalters „kein Selbstläufer.“ Um zu bewirken, dass möglichst viele junge Menschen wählen gehen, sollten daher gezielte flankierende Maßnahmen zu einem herabgesetzten Wahlalter ergriffen werden.

Die Studie nimmt dabei die beiden Landtagswahlen am 1. September 2019 in Brandenburg und Sachsen in den Blick. Dabei machten sie sich einen besonderen Umstand dieses Wahltags zunutze: Während die 16- und 17-Jährigen auf der brandenburgischen Seite der Grenze an diesem Tag wählen durften, blieb ihren Altersgenoss*innen in Sachsen dieses Recht verwehrt. „Diese besondere Situation hat es für uns möglich gemacht, präzise festzustellen, was das Erreichen der Wahlaltersgrenzen mit jungen Menschen macht“, erläutert Projektleiter Leininger. Das Autorenteam hat junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in beiden Bundesländern zu ihren politischen Grundeinstellungen, ihrer Wohn- und Schulsituation und ihrem Kommunikations- und Informationsverhalten postalisch zur Umfrage eingeladen und online befragt. „In repräsentativen Umfragen mit insgesamt nur 1000 oder 2000 Befragten werden immer nur sehr wenige junge Menschen interviewt, so dass man über diese Gruppe, gerade auch bezogen auf Wahlen, nur wenig erfahren kann. Mit fast 7000 Befragten konnten wir hier viel tiefer bohren“, erläutert Projektleiter Faas.

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Informationsseite zur Studie

Thorsten Faas/Arndt Leininger: Wählen mit 16? Ein empirischer Beitrag zur Debatte um die Absenkung des Wahlalters; OBS-Arbeitspapier 41; Frankfurt/Main, Juli 2020

Pressemitteilung als PDF-Datei

Arbeitspapier 41 als PDF-Datei

Kontakt:

Otto Brenner Stiftung
Geschäftsführer
Jupp Legrand
Telefon: 069 - 6693 2810
E-Mail: info(at)otto-brenner-stiftung.de

Autoren-Team:

Prof. Dr. Thorsten Faas/
Arndt Leininger, Ph.D.
Otto-Suhr-Institut (FU Berlin)
Telefon: 0 30 - 838 - 64131
E-Mail: thorsten.faas(at)fu-berlin.de
E-Mail: arndt.leininger(at)fu-berlin.de