Otto Brenner Stiftung

Ergebnisse

Ergebnisse und zentrale Erkenntnisse (unter besonderer Berücksichtigung von SWR-Daten)

I.

Nur 17,8 Prozentpunkte der SWR-Fernsehpublizistik weisen einen regionalen Bezug auf. Da die Fernsehpublizistik rund 74 Prozent des Gesamtprogramms ausmacht, ergeben sich erhebliche Zweifel, dass die staatsvertragliche Verpflichtung zur Ausstrahlung von 30 Prozent Inhalten mit Landesbezug erfüllt wird.

II.

Die Berichterstattung über Politik und gesellschaftlich kontroverse Themen führt im SWR ein Nischendasein. Der Anteil im Programm liegt bei nur rund zehn Prozent, wobei Wiederholungen etwa der Landesschau im Vormittagsprogramm hierbei mit berücksichtigt sind. Selbst, wenn man einen sehr weiten Informationsbegriff wählt, der Ratgeberthemen mit berücksichtigt, kommt man auf einen Anteil von lediglich 53 Prozent. Der SWR selbst gibt einen Anteil von 70 Prozent an.

III.

Dazu passt, dass Nachrichtensendungen im SWR-Fernsehen deutlich unterrepräsentiert sind. Der Anteil der Nachrichtensendungen im SWR-Fernsehen beträgt lediglich 4,7 Prozent. Darin ist sogar schon die Übernahme der 20-Uhr-Tagesschau aus dem Ersten enthalten. Die ARD liegt bei 9,2 Prozent, das ZDF bei acht Prozent. Selbst RTL kommt auf 4,3 Prozent.

IV.

In Stunden und Minuten gerechnet räumt der SWR der Human-Touch-Berichterstattung über Stars, Sternchen, Verbrechen, Unfälle und Katastrophen mehr Sendezeit ein, als die bundesweite öffentlich-rechtliche und die private Konkurrenz. Beim SWR sind es insgesamt 15 Prozent des Programm (3,5 Stunden!). Zum Vergleich: ARD und Sat.1 liegen bei „nur“ acht Prozent.

V.

Der SWR kann sein Programm überhaupt nur auf Basis umfangreicher Wiederholungen aufrechterhalten. Anders als bei der privaten Konkurrenz geht es hierbei aber weniger um die Wiederholung etwa alter Spielfilme, sondern um Wiederholungen diverser Sendungen innerhalb nur eines Tages oder einer Woche. Die Wiederholungsrate (innerhalb einer Woche) beträgt satte 38,6 Prozent. Im Ersten sind es nur 15 Prozent, im ZDF 13,1 Prozent. Selbst bei den privaten Sendern RTL (21,5 Prozent) und Sat.1 (15,1 Prozent) sieht es deutlich besser aus.

VI.

Zehn Stunden täglich werden im SWR für Sach- und Ratgeberthemen aufgewandt (42 Prozent). Diese haben naturgemäß kaum regionalen Charakter. In der ARD liegt der Anteil bei 17 Prozent, beim ZDF bei 15 Prozent.

VII.

Obwohl Sach- und Ratgeberthemen bereits einen großen Anteil im Gesamtprogramm einnehmen, machen sie zusätzlich einen großen Teil der Nachrichtensendungen aus, nämlich 28 Prozent.

VIII.

Der SWR sendet „das Neue von gestern“. Der Anteil von Erstsendungen an der gesamten Fernsehpublizistik beträgt 43%, wovon wiederum nur 6,7% auf tagesaktuelle Berichterstattung entfallen. Bei der ARD sind es 21,3 Prozent, beim ZDF 19,6 Prozent. Der NDR erreicht immerhin 11,5 Prozent. Der SWR steht in Sachen Aktualität auf einer Stufe mit RTL (6,5 Prozent). Dabei ist zu berücksichtigen, dass RTL deutlich weniger Fernsehpublizistik im Programm hat.

IX.

In den Magazinsendungen des SWR werden politische Themen im engeren Sinne untergewichtet (3,5 Prozent). Beim NDR sind es immerhin 17,4 Prozent. Der SWR liegt auch hier auf dem Niveau von RTL (3,1 Prozent).

X.

In der Struktur der regionalen Akteure (Fernsehpublizistik mit Bezug zum Bundesland) tauchen Gewerkschaften überhaupt nicht auf.  Sonstige Akteure aus der Wirtschaft aber immerhin mit 8,8 Prozentpunkten. Es zeigt sich, dass die Wirtschaft auch gegenüber der Politik, die auf 3,9 Prozent kommt, stark übergewichtet wird.

 

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