Otto Brenner Stiftung

Abstract

Abstract zum Arbeitspapier NR. 12

In diesem Bericht werden die wichtigsten Ergebnisse einer Studie dargestellt, die zwischen Herbst 2012 und Frühjahr des Jahres 2013 an der Arbeitsstelle Medienanalyse / Forschungsmethoden der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde. Im Kern handelt es sich dabei um eine vergleichende, quantitative Inhaltsanalyse der ausgestrahlten Programme von zwei dritten Programmversionen der Landesrundfunkanstalten des Südwestrundfunks (SWR Rheinland-Pfalz) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR Niedersachsen). Die Programme wurden anhand von zwei unterschiedlichen Programmstichproben analysiert. Die erste Programmstichprobe bezieht sich auf das Gesamtprogramm einer Kalenderwoche im Herbst des Jahres 2012. Diese Daten wurden mit bereits vorhandenen und publizierten Daten der Programme ARD/Erstes Programm, ZDF, RTL und Sat.1 der kontinuierlichen Programmforschung der Landesmedienanstalten aus dem gleichen Untersuchungszeitraum verglichen. Die zweite, im Längsschnitt angelegte Programmstichprobe beinhaltet die regionalen Hauptnachrichtensendungen und die regionalen Magazinsendungen der zwei dritten Programme und umschließt einen Zeitraum von insgesamt vier Wochen. 

Die Studie zeigt die Programmstrukturen und die fernsehpublizistischen Programmleistungen der dritten Programme. Darüber hinaus wurde insbesondere die regionale Thematisierungsleistung analysiert. Das Ziel der Untersuchung ist es, Informations- und Unterhaltungsanteile sowie Anteile für regionale Berichterstattungsformate darzustellen, den Umfang der (regionalen) Politikberichterstattung und anderer, konkurrierender Themensegmente zu quantifizieren und damit Vergleichsdaten zu anderen Fernsehvollprogrammen zu liefern. 

Durchgeführt wurden quantitative Inhaltsanalysen. Das Untersuchungsdesign umfasst dabei drei unterschiedliche Stufen, die aufeinander aufbauen: eine Sendungs-, eine Beitrags- und eine Regional-Analyse. 

Der Programmvergleich zeigt auf der Ebene der Programmstrukturen, dass die dritten Programme insgesamt stärker auf fernsehpublizistische Formate setzen (können), als die Wettbewerber auf dem bundesweiten Fernsehzuschauer und -werbemarkt. Dies kann man besonders gut an der Gewichtung der Sendeplätze für fiktionale Filme und Serien ablesen. An einem durchschnittlichen Wochentag liegt der Anteil für diese Formate in den Dritten Programmen bei jeweils knapp einem Viertel der Gesamtsendezeit (24 Prozent). ARD/Das Erste wendet dafür bereits 44 Prozent auf, das ZDF 50 Prozent. RTL und Sat.1 übertreffen diese Anteilswerte mit 55 bzw. 61 Prozent noch einmal deutlich. Das hat natürlich mit dem Kampf um Zuschauermarktanteile zu tun, der in erster Linie auf dem bundesweiten Fernsehmarkt geführt wird – auch wenn die Dritten Programme heute über Kabel und Satellit ebenfalls überregional genutzt werden können. 

Beim Übergang von der Sendungs- auf die Beitragsebene zeigen sich starke thematische Gewichtungsunterschiede zwischen den Dritten und den bundesweiten Programmen, aber auch zwischen den zwei dritten Programmen. So gesehen ist besonders beim SWR die Wahrscheinlichkeit, auf Sach- und Ratgeberthemen zu treffen, wenn man an einem durchschnittlichen Wochentag den Fernseher einschaltet, mit Abstand am größten (43 Prozent). Und auch im NDR Fernsehen ist das die dominante Themengruppe (36 Prozent). Zum Vergleich: Im Ersten Programm der ARD und im ZDF sind diese Themen ebenfalls wichtig (19 bzw. 15 Prozent) und auch deutlich höher gewichtet als bei RTL und Sat.1 (6 bzw. 7 Prozent), jedoch keineswegs so profilgebend wie bei SWR und NDR. 

Diese starke Gewichtung der Ratgeber- und Servicethemen hat sich im Gang der Analysen auch für die (im Längsschnitt untersuchte) Berichterstattung in den ausgewiesenen Regionalformaten der zwei Dritten gezeigt und hat vor allem einen besonders interessanten Befund zur Folge: Der vergleichsweise erhebliche Umfang der fernsehpublizistischen Sendezeit in den Dritten mündet nicht in eine entsprechend umfangreichere politische Berichterstattung über regionale und nationale Streitfragen von gesellschaftlicher Bedeutung. So liegt der Anteil der in diesem Sinne politischen Berichterstattung über kontroverse Themen an einem Durchschnittstag im Programm des SWR bei 10 Prozent, das entspricht etwa zweieinhalb Stunden. Für den NDR liegt der Wert mit 13 Prozent sowohl im Bezugsrahmen des Sendetages als auch relativ zur fernsehpublizistischen Sendezeit darüber (etwa 40 Minuten).  

Betrachtet man die in diesem Bericht zusammengestellten Ergebnisse in der Zusammenschau so zeigt sich vor allem, dass die hier untersuchten Programme von SWR und NDR eigenständige Profile zeigen und einander deutlich ähnlicher sind als im Vergleich zu den bundesweiten öffentlich-rechtlichen Programmen der vier Marktführer. 

Diese Ähnlichkeit zwischen SWR und NDR bezieht sich dabei allerdings vor allem auf vergleichbare Programmstrukturen, insbesondere was die vorgehaltenen Programmgefäße (Dominanz der Magazine) und Formate insgesamt (Schwerpunkt Fernsehpublizistik) betrifft. Die Themen, die innerhalb dieser Gefäße und Formate behandelt werden, sind aber sehr unterschiedlich. Insbesondere auf der regionalen Ebene der Thematisierung stehen beim NDR Fernsehen die politischen Themen weiter oben auf der Tagesordnung als beim SWR Fernsehen. Im SWR wird dagegen stark auf (regionale) Sachthemen (Traditionen, Brauchtum, Heimat etc.) und Service gesetzt. Die Zeit für andere Themengruppen wird dadurch vergleichsweise knapp. Beim NDR tritt neben die Berichterstattung über regionale Politik und Sachthemen eine besonders ausgeprägte Berichterstattung über Human-Touch-Themen, die in ihrem Umfang selbst die auf diesem Feld traditionell starken nationalen privaten Programme übertrifft.

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